Pressebericht in den Westfälischen Nachrichten, Haus Gottschling, Dülmen, 28.09.2012

Haus GottschlingDÜLMEN: Wenn das Haus der Klaviere in Klang der russischen Weisen swingt - dann kann dies nur beim Spiel des Juri Artamonov Trios geschehen. Die vielen Liebhaber guter von Hand gemachter Musik erlebten einen fulminanten und einfach packenden Auftakt der vom Kulturforum Hiddingsel e.V. veranstalteten Konzertreihe. Nicht klassische Pianistik war an diesem Abend gefragt, obwohl der in Moskaus ausgebildete Jazzpianist Juri Artamonov sicherlich auch in diesem Metier sich behaupten könnte. Aber an diesem Abend ging es darum, gemäß der von der von diesem in der Jazzszene renommierten Trio aufgenommenen CD "Moskauer Fenster" die weithin unbekannte russische Filmmusik der 30er bis 60er Jahre einem aufgeschlossenen Publikum zu präsentieren. Auch dort gab es Stars wie Marlene Dietrich oder Friedrich Holländer, nur hießen sie eben Ljubow Orlowa und Issak Dunajeweskij, waren sicherlich genauso berühmt wie ihre westlichen Pendants. Aus dieser reichen musikalischen Schatzkiste wählte das Trio stimmungsvolle und zu Herzen gehende Melodien, die in ihrer Art sicherlich in jeden UFA-Film gepasst hätten.

Als Pianist in den Bars und Jazzclubs der russischen Hauptstadt hat Juri Artamonov wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ihm im Konzertbetrieb sicherlich zu gute kommen. So brillierte er nicht nur durch seine technisch versierte Anschlagskultur, er schuf auf ein jederzeit interessantes und in sich stimmiges Bild der russischen Seele. Ob Kompositionen wie das "Lied der Piloten" oder der berühmte Schlager "Moskauer Fenster" die Zuhörer verwöhnten, immer mischte das Trio eine ganz eigene jazzige Spielweise in die Musik. Die drei Musiker konzertieren schon über mehrere Jahre zusammen, da war der Dialog zwischen ihnen durch gemeinsam erworbene Erfahrungen natürlich gewachsen. Dabei glänzte Martin Gehrmann nicht nur als feinfühliger Kontrabassist, seine überaus unterhaltsamen und gleichwohl informativen Moderationen boten eine gute Einführung in die jeweiligen Werke. Punktgenau gab der Schlagzeuger Jochen Metze allen Liedern einen rhythmischen Grund, auf dem sich der feinsinnige hervorgezauberte Klavierklang entfalten konnte.

Wenn das "Lied von der guten Laune" das Haus der Klaviere durchzog, dann teilte das Trio dieses Gefühl mit dem begeisterten Publikum. Bei der "Leichtigkeit des Herzens" gelangen einfach wunderbare Momente niveauvoller Musik. Das Trio spielte keinen kopflastigen Jazz, sondern das Publikum erlebte ein unangestrengtes Musizieren dreier Musiker, denen man die Liebe zu dieser Musik anmerkte. Martin Gehrmann am Bass und der Schlagzeuger Jochen Metze hatten genug eigene Ideen, um immer wieder wichtige Akzente zu setzen. Stilistisch wandelte Juri Artamonov unbekümmert durch die verschiedenen Genre. Die von ihm sehr markant eingesetzten harmonischen Abläufe waren jederzeit fesselnd in ihrer Unvorhersehbarkeit. Innovativer Jazz mit traditionellen Elementen gemischt muss eben nicht gegen die Hörgewohnheiten sein, sondern kann wie bei diesem Trio auch in bester Manier unterhalsam sein.

Axel Engels